1. Kasseler Jugendsymposium 300 Oberstufenschüler treffen sich ... "Nach der Wirklichkeit fragen heißt: nicht verhören, sondern teilnehmen, in Gesamtheiten denken lernen." Wilfried Sommer, Eröffnungsvortrag 1. Kasseler Jugendsymposion
Zum 1.Kasseler Jugendsymposion vom 10. -13.12.2009 fanden sich rund 300 Oberstufenschüler von verschiedenen Waldorfschulen aus ganz Deutschland zusammen. Angeregt durch Schülerfragen und mit dem Wunsch, mit engagierten jungen Menschen etwas zu bewegen, organisierten Waldorflehrer aus Kassel mit dem Bund der Freien Waldorfschulen dieses Kolloquium. Auch unsere Schule war hierzu eingeladen und so entschieden wir uns als Vertreterinnen dorthin zu fahren. Das Thema/ Motto des Symposions war "Wirklichkeit", womit wir uns in Seminaren, Vorträgen und Diskussionen beschäftigten. Aus einem breiten Spektrum von Kurs- und Seminarangeboten wählten wir Folgendes aus:
Projektaufbau eines Sportprojekts für Waisenkinder in Südafrika
Wahrnehmungs- und Bewegungsspiele
Gespräche über die Wirklichkeit des Willens
Prüfungssituationen standhalten
Was kommt im Studium auf mich zu?
Die Seminare und Trainingskurse fanden in kleinen Gruppen vor- und nachmittags in Räumlichkeiten der Waldorfschule und des Lehrerseminars in Kassel statt. Alle Veranstaltungsorte lagen nah beieinander, sodass wir alles bequem zu Fuß erreichen konnten und so zwischen dem vielen Denken auch etwas Luft schnappen konnten. Die Dozenten stammten aus unterschiedlichsten Bereichen. Beispielsweise war der Leiter des 1.Kurses, Florian Zech, ein junger, ehemaliger Waldorfschüler, der während seines Freiwilligen Sozialen Jahres ein Sportprojekt für Waisenkinder in einem Township in Kapstadt gründete. Dieses Projekt etablierte sich über drei Jahre hinweg so erfolgreich, dass es zu einer Organisation wurde (Amandla Ku Lutsha). Anhand dieses Projekts brachte er den Kursteilnehmern auf anschauliche Weise die in Südafrika herrschende Problematik näher und regte in lebhaften Diskussionen zu Lösungsansätzen an. Das Tagesprogramm des Symposions begann und endete mit Vorträgen verschiedener Persönlichkeiten, die alle das Thema Wirklichkeit in ihrem Vortrag aufgriffen. Besonders ansprechend fanden wir die Rede von Hans-Peter Dürr über seine Wirklichkeitsdefiniton. Hans-Peter Dürr ist Physiker, ehemaliger Direktor des Max-Planck-Institutes für Physik, und beschäftigt sich außerhalb seines Fachbereichs mit erkenntnistheoretischen und gesellschaftspolitischen Fragen. Für seinen Einsatz für ein friedliches Miteinander auf der Welt erhielt er 1987 den Alternativen Nobelpreis und 1995 mit der Forschergruppe "Pugwash" den Friedensnobelpreis. Mitreißend und voller Elan stellte er die Beziehungen zwischen Glaube und Wissen durch Vernunft und Verstand dar und schlussfolgerte, dass unsere Welt das ist, was wir von der Wirklichkeit wahrnehmen und nur eine kleine Auslese der Realität ist: "Wir erleben mehr, als wir begreifen." Neben dem straffen Programm blieb uns immer noch ein wenig Zeit, um uns mit den vielen Gleichgesinnten zu unterhalten und auszutauschen. Wann bekommt man schließlich einmal die Gelegenheit knapp dreihundert "Waldis" auf einmal zu treffen? Zwar wurden die Gesichter mit jedem Tag müder, das hielt uns jedoch nicht davon ab, abends stundenlang mit den verschiedensten Menschen zu lachen, zu reden und zu diskutieren. Für uns war diese Seite des Jugendsymposion mindestens genauso wichtig wie die vielen tollen Vorträgen, denn es herrschte während der ganzen Zeit zwischen Allen eine freundschaftliche, offene Atmosphäre, wie wir sie nicht oft erleben. Diese Tage vergingen viel zu schnell, jedoch können wir uns jetzt schon auf das nächste Jugendsymposion im Juni 2010 freuen, an dem wir gerne wieder teilnehmen möchten.
Florine Allrath, Meike Blecker, Isabel Lindemann Bergisch Gladbach, im Dezember 2009
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