Aus dem Oberstufen-Unterricht für Erdkunde Bemerkungen zu seinen Zielen und Inhalten In der heutigen Zeit strömen auf uns alle eine Vielzahl von Informationen ein, die wir in den täglichen Nachrichten, der Tageszeitung, in Fachbüchern oder auch im Gespräch mit Freunden und Bekannten erfahren. Möglichst gut informiert zu sein, gehört zur mentalen Überlebensstrategie in einer Welt, die immer rascheren Veränderungen in gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Belangen unterworfen ist. Wir können die Situation vergleichen mit einer Ballerina, die in immer schnelleres Kreisen gerät, je enger sie ihre Arme an den Körper legt - gleich der modernen Wissenswelt, die immer schneller neue Informationen hervorbringt, aber aufgrund zunehmender Komplexität den Fokus stetig verengt. In diesem Wechselfeld zwischen Detailwissen und Abstraktion spielt sich auch der Oberstufen-Unterricht in den gesellschafts- und naturwissenschaftlichen Fächern ab, von denen ich die Erdkunde herausgreifen möchte, da ich sie an unserer Schule bis zum Abitur unterrichte. Die Schüler erfahren, wie schwierig es ist, die vielen Details im Gedächtnis zu behalten und gleichzeitig übergeordnete Zusammenhänge zu erkennen.
Das Unterrichtsfach Erdkunde ist eigentlich eine naturwissenschaftliche Disziplin, bei der das Haupt-Augenmerk dem Namen nach auf dem System Erde liegt. Wie wir sehen werden, bietet es jedoch viel mehr an inhaltlichen Aspekten, die unter anderem den Bereichen Geographie, Kulturgeschichte, Völkerkunde, ja selbst Technik oder auch Wirtschaft und Politik zugeordnet sind. Wenngleich in den einzelnen Jahrgangsstufen nur eine vorgegebene Auswahl dieser Themen behandelt wird, ist die Erdkunde insgesamt ein wahrhaft multidisziplinäres Unterrichtsfach mit einem sehr breiten Themenspektrum - für Schüler und auch uns Lehrer bedeutet dies eine inhaltliche Herausforderung.
Nachdem in der Unter- und frühen Mittelstufe regionale Themen, Deutschland und Europa behandelt werden, wird anschließend das Interesse für fremde Kulturen und charakteristische Landschaftsräume anderer Kontinente geweckt. Der Blickwinkel weitet sich und erstmals lassen sich großräumige Vergleiche anstellen und Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Regionen erkennen. Damit ist das Fundament gelegt, um zwei große Generalthemen der Oberstufe - die wichtigen Teilsysteme unserer natürlichen Umwelt sowie Raumanalysen - anzugehen.